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(Auszug aus dem Jubiläumsheft 50 Jahre SG 1945 Fronhausen/L e.V.)

Ein 50. Geburtstag, liebe Leser, ist selbstverständlich ein Anlass, um Rückschau auf die Vergangenheit zu halten. Lassen Sie mich aber trotzdem mit der Gegenwart beginnen und den Verein zunächst beschreiben, wie er sich heute darstellt.

Die SG, wie sie als Kürzel hier im Dorf genannt wird und wie ich sie auch in dem folgenden Abriss auch nennen möchte, besteht zur Zeit aus 737 Mitgliedern und umfasst folgende Sparten:

  • Fußball

  • Tischtennis

  • Leichtathletik (Kinderturnen, Frauen- und Mädchengymnastik)

  • Lauftreff

(Einzelheiten entnehmen Sie bitte den Darstellungen der einzelnen Sparten.)

Die Sportanlagen, die der Verein zur Zeit nutzt, sind gemeindeeigene Anlagen und bestehen aus dem Hartplatz bei den Hainbuchen, dem Rasenplatz mit Leichtathletikanlagen auf dem Stollberg (früher war dies der vereinseigene Platz), dem neuen Bürgerhaus und der kreiseigenen Schulsporthalle der Mittelpunktgrundschule Fronhausen. Obwohl die SG ein wunderschönes Sportheim am Rasenplatz nutzen kann, oder auch eine Holzhütte am Hartplatz, bleibt doch eine Gaststätte im Dorf eng mit den Geschicken des Vereins verbunden:

Die Gaststätte zur Krone, unser Vereinslokal.

Und damit fällt die Überleitung zu einem geschichtlichen Rückblick nicht mehr schwer, denn just in diesem Lokal, bei "Kochenersch" wurde die SG im Oktober 1945 gegründet. Dazu bedurfte es natürlich einiger Vorbereitungen, denn es war 5 Monate nach Kriegsende nicht so einfach, einen neuen Verein zu gründen. Also stellte Johannes Ewert, federführend für die anderen Sportkameraden, einen Antrag an das "Militärgovernment in Marburg, Schulstraße 12" auf Zulassung eines Sportvereins. Selbstverständlich wurden von der Militärverwaltung Auflagen zur Bedingung gemacht, die die Vereinsverantwortlichen durch ihre Unterschrift anerkennen mussten. Diese Auflagen fanden sich natürlich auch in der ersten Satzung wieder, die dann von jedem Mitglied durch Unterschrift anerkannt wurden.

Einige habe ich hier aus der englischen Fassung übersetzt:

1. Zu keiner Zeit wird unsere Organisation das Exerzieren (Drill) durchführen, und es wird keine uniformierte Kleidung getragen, außer solcher, die für die Ausübung des Sports notwendig ist.

2. Zu keiner Zeit wird irgendetwas von politischer Natur zum Gegenstand von Diskussionen oder Aktivitäten in der Organisation gemacht.

3. Berichte über alle Aktivitäten werden der Militärverwaltung zugesandt und Veranstaltungen werden der Militärverwaltung zu Inspektionszwecken jederzeit zugänglich sein.

Nach diesen Anfangsformalitäten wurde eine Genehmigung erteilt und die folgenden Mitglieder gründeten am 31. Oktober 1945 in der Gastwirtschaft "Zur Krone" die Sportgemeinde Fronhausen/L:

1.Ewert, Johs ; 2.Schmitt, Heinrich ; 3.Rupp, Joh. ; 4.Hahn, Erich ; 5.Einkopf, Gustav ; 6.Patzke, Julius ; 7.Plückhahn, Heinrich ; 8. Weisbrod, Ernst ; 9.Junk, Johann ; 10.Schneider, Jost ; 11.Grebe, Erich ; 12. Vogel, Heinrich ; 13.Hormel, Johann ; 14.Schneider, Erich ; 15.Pötter, Hans ; 16.Schorge, Phil. ; 17.Muth, Wilh. ; 18.Hoß, Helmut ; 19.Bodenbender, Günter ; 20.Platt, Georg ; 21.Dersch, Peter ; 22.Vogel, Jost ; 23.Schlegel, Jutta ; 24. Törner, Heinrich ; 25.Hack, Heinz ; 26.Kraft, Walter ; 27.Schmitt, Theo ; 28.Kuhl, Willi ; 29. Weimar, Karl-Walter ; 30. Weber, Jost ;  31.Jakobi, Helmut ; 32.Vogel, Heinz ; 33.Laukel, Heinrich ; 34.Pfeffer, Kurt ; 35.Gies, Helmut ; 36.Kraft, Heinrich ; 37.Bodenbender, Ernst ; 38.Riedel, Otto ; 39.Schlag, Wilhelm ; 40. Muth, Hans ; 41. Neidel, Karl ; 42.Klietsch, Fritz ; 43.Rupp, Paul ; 44.Gerhardt, Joh. ; 45.Schwarz, Heinrich ; 46.Findt, Heinrich ; 47.Lauer, Heinrich ; 48.Keil, Heinrich ; 49.Hilberg, Heiner ; 51.Laukel, Karl ; 52.Laukel, Heinrich (sen.) ; 53.Lotz, Karl ; 54. Meckbach, Hans ; 55. Walbrecht, H. ; 56.Zecher, Friedrich ; 57. Hahn, Helmut ; 58. Törner, Ludwig ; 60.Törner, Heinrich ; 61.Lotz, Kurt ; 62. Ruth, Heinrich ; 63.Becker, Konrad ; 64. Gies, Heinrich ; 65.Weber, Walter ; 66.Schmitt, Hans ; 67.Wolf, Hans ; 68.Riedel, Fritz ; 69.Bodenbender, Jakob ; 70. Kaiser, Kurt

(Anmerkung: 1. Alle Namen wurden von der Originalunterschriftenliste abgeschrieben. 2. Die Mitglieder Nr. 46 bis 70 waren an jenem Abend noch nicht zugegen, haben sich jedoch einige Tage später in die wohl ausliegende Liste eingetragen.)

 

Dem aufmerksamen Leser wird nicht entgangen sein, dass sich unter den Gründungsmitgliedern eine Dame befand, Jutta Schlegel. Die Fußballer der ersten Stunden erzählten, dass sie ein großer Fan der Spieler war und kaum ein Spiel versäumte. Damit nicht genug, übernahm sie auch noch Betreuungsaufgaben und kümmerte sich um alle jene Kleinigkeiten, die zu einem Spiel gehörten. Deshalb fand zu irgendeiner Zeit in der Gastwirtschaft Euler ein sogenannter "Jutta-Ball" statt, eine wohl einmalige Veranstaltung in der Vereinsgeschichte.

§ 5 der Vereinssatzung:

"Die Tätigkeit des Vereins erstreckt sich auf Fußball, Handball und Leichtathletik. Weiterhin wird der Verein Musik und Theaterspielen betreiben".

Fußball war also und ist eigentlich noch heute die dominierende Sparte der SG. Dazu aber mehr auf der Seite Fußball unter Vereinshistorie.

NIcht vergessen werden soll eine weitere Sparte, die in der Satzung Erwähnung findet und auch satzungsgemäß aktiv war.

Wer das Wort "Meineidbauer" hört, denkt natürlich an die Laienspiel- oder Theatergruppe der SG. Spielort war fast immer das Lokal des Gastwirts Ebert, wie aus dem alten Genehmigungsantrag aus dem Jahre 1949 ersichtlich ist. Sämtlich Requisiten wurden in Eigenleistung hergestellt oder ausgeliehen. Für die Geräusche und Effekte sorgte meist Jaroslaw Otto, der mit Blech Donner, mit einer Autobatterie Blitze und mit einer Bügeleisenschnur Wind erzeugte. Musik wurde meist nicht eingesetzt, da auch damals schon für die GEMA Gebühren erhoben wurden. Die Gebühr, die für eine Aufführung an dei Gemeinde bezahlt werden musste, betrug in 1949 immerhin schon DM 20,-.

Die berühmtesten Stücke, die seinerzeit zur Aufführung kamen, waren:


  • "Der Meineidbauer"

  • "Der Glockenguss zu Breslau"

  • "Der Schuss im Erlengrund"

  • "Der treue Hies"

  • "Zwangseinquartierung bei Bammels"

  • "Die kluge Bauerntochter"

  • "Der Seitensprung"

Einmal sei man sogar auswärts aufgetreten, nämlich auf der Ochsenburg, wurde von ehemaligen Mitspielern berichtet. Außer den auf den Programmen aufgeführten Personen gehörten noch Erich Hahn, Kurt Hempel, Willi Reichel und Otto Schnabel zu der Gruppe.

 

Es ist leider nicht mehr zu erfahren gewesen, wann der Spielbetrieb eingestellt worden ist. Ein OP-Artikel von 1955 spricht noch von einer Aufführung im Saale Euler, anlässlich eines Familienabends. Das Stück hieß: "Der Schulunterricht" und hat laut OP die Lachmuskel der Zuschauer ziemlich strapaziert.

Zum Abschluss die Vorsitzenden der Sportgemeinde Fronhausen/Lahn e.V. seit der Gründung:

  • Johannes Ewert 1945 - 1947

  • Albrecht Hobohm 1948 - 1949

  • Johann Ewert 1950

  • Ferdinand Esch 1951 - 1954

  • Heinrich Schwarz 1955

  • Jost Schneider 1956

  • Johannes Ewert 1957 - 1959

  • Johann Rupp 1960

  • Walter Kraft 1961 - 1973

  • Wieland Schneider 1974 - Mai 1980

  • Gerhard Hormel Mai 1980 - Mai 1984

  • Edmund Menz Mai 1984 - Mai 1992

  • Heinz Siebert Mai 1992 - ..

(Stand 1995)


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